Alle Seiten sehen. Und dann entscheiden, welche ich in den Vordergrund hole.

Ich bin aufgewachsen im alternativ-freien Wendland, einem Zonenrandgebiet (zur ehemaligen DDR) im östlichen Zipfel Niedersachsens. Hier gab es - zumindest in meiner Welt- vorrangig Aussteiger, Landwirte und Lehrer. Und sehr viel Natur!

 

Ich lernte schon früh, dass wahre Arbeit harte Arbeit ist, dass man sich ständig immens anstrengen musste und dabei ganz selbstverständlich permanent über seine eigenen Grenzen ging. Ich lernte, dass Frauen und Mädchen per se "weniger wert" sind und selbst im Spagat von Beruf und Familie nur geringe Anerkennung erhalten. Dass Frauen sich am Besten mit weißer Schürze ins Dorfleben einfügen und Männer unter Alkoholeinfluss unbedingt zu meiden sind. Ich lernte, dass Bauernkinder stinken und Lehrerkinder Streber sind. Und dass Feierabend etwas ist, was es nur im Fernsehen oder in "komischen" Familien gibt. 

 

Ich möchte hiermit nicht sagen, dass diese Dinge mir intensiv vermittelt wurden. Vielmehr sind sie meine Interpretation einer Welt, in der ich versuchte die Regeln zu verstehen.  Aus meiner jetzigen Sicht kann ich vieles anders bewerten - als Kind nahm ich die empfundenen Gesetzmäßigkeiten als gegeben hin und versuchte mich so gut es mir möglich war einzufügen. Das fiel mir wirklich nicht leicht - und gleichzeitig wusste ich auch, was die Alternative gewesen wäre. 

 

Meine Kindheit ermöglichte mir gleichzeitig eine tiefe Verbindung zu Tieren und zum Rhythmus der Natur. Vor lauter Vorfreude auf die Reitstunden war mir oft so schlecht, dass ich schon Stunden vorher keinen klaren Gedanken fassen konnte. Und endlich bei den Pferden vergaß ich den Rest der Welt vor lauter Seeligkeit! Die Pferde, die Jahreszeiten, die Musik und das Träumen in andere Welten durch Bücher sind meine Anker, die mir immer wieder eine tiefe Erdung ermöglichen und mich auch durch schwerere Zeiten getragen haben und für die ich sehr dankbar bin. 

 

In der Schule tat ich mich schwer meinen Platz zu finden. Vieles gelang mir leicht, gute Benotungen und Bewertungen waren alltäglich. Und doch blieb in mir die Suche nach einer Bestätigung für etwas.  Die Bestätigung durch Andere, dass ich okay bin, dass ich wertvoll bin, dass es einen Unterschied macht ob ich da bin. Ich suchte Grenzen und Rückmeldungen,  probierte aus, lehnte mich auf und unterdrückte so stark meine inneren Impulse, dass mein Körper mit langer psychosomatischer Krankheit reagierte. Ich griff zurück auf bekannte Konzepte, arbeitete mit großer Anstrengung und disziplinierte mich wieder ins Leben. 

 

Ich konnte mir nicht mehr vertrauen, Anderen erst recht nicht. Und da man "mit Pferden doch eh kein Geld verdienen kann", ging ich studieren um das Beste aus meinem Intellekt herauszuholen. Ich engagierte mich in der Unternehmensberatung, suchte Anerkennung in der Wirtschaft und peitschte mich zum Diplom in Bestzeit. In meinem ersten Berufsjahr in England in der Pharma-Branche erlebte ich meine innere Zerrissenheit sehr intensiv. Ich spürte, wie mich die Arbeit für ein namenloses Unternehmen im Büro innerlich krank machte und fing intensiv an zu suchen. Und ich begann zu finden!

 

Hier begann mein Weg zu einem Leben, dass ICH mir gestalte. Ich habe wahnsinnig inspirierende Menschen kennengelernt, mich intensiv auf die Suche nach mir selbst gemacht und immer wieder ein Stückchen mehr "GESINE" freigelegt und zum Strahlen gebracht. Es braucht alles seine Zeit und immer wieder gibt es neue Stolpersteine und Herausforderungen - und doch hat mich jeder kleine Schritt und jeder Begleiter weiter nach vorne gebracht. 

 

Ich lernte, wie ich Pferde und menschliche Entwicklung verbinden kann. Wie Generationen gemeinsame Wege finden können, wie Eigenständigkeit und Verbindlichkeit zusammenpassen. Welche Fragen nützlich sind und uns weiterbringen, dass unerwartete Lösungen öfter möglich sind als erwartet und dass kleine Entscheidungen eine große Summe bilden. Ich lernte mir selbst zu vertrauen, meinen dunklen Seiten mutig ins Gesicht zu blicken und ganz liebevoll und fokussiert meinen Weg zu gehen. Und dass es ebenso vollkommen okay ist, mal nicht weiter zu wissen. 

 

Inzwischen lebe ich mit meiner Familie auf dem Land im Nordwesten Niedersachsens. Seit über 10 Jahren bin ich erfolgreich selbstständig als Trainerin & Coach. Meine vier Pferde unterstützen mich persönlich und beruflich. Auch als Mutter & Ehefrau kann ich meine Berufung leben. Die alten Glaubenssätze beeinträchtigen mein Leben nicht mehr. Ich blicke stolz auf mich und alles, was zu mir gehört. Ich werde anerkannt und geschätzt - auch für meine weiblichen Qualitäten, die ich immer mehr als Stärke erlebe.  

 

Hätte mir jemand vor 15 oder 20 Jahren gesagt, dass dies mein Leben sein würde - ich hätte es nicht für möglich gehalten, sondern als verrückten Traum abgetan! Ich bin wahnsinnig dankbar für die Möglichkeiten und Menschen, die jetzt da sind und die mich bis hierher begleitet haben. Und ich weiß: Dies ist noch nicht das Ende für mich. Ich habe noch so viele Träume und freue mich schon darauf, mit offenem Blick und voller Vertrauen Schritt für Schritt weiterzugehen. 

 

echtklar

Diplom-Sozialwirtin

Gesine Imhof

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